Hallo Amelie, zu Anfang wäre es schön erst einmal etwas über dich zu erfahren! Könntest du mir daher vielleicht etwas über dich und wie du zur Fotografie gekommen bist erzählen?

Hallo Laura, vielen Dank für das Interview.
Mein Name ist Amelie Satzger und ich komme aus München. Momentan studiere ich Fotodesign im vierten Semester an der Hochschule München. Ich habe schon seit ich vierzehn bin eine Spiegelreflex Kamera, jedoch habe ich nie ernsthaft daran gedacht, aus diesem Hobby einen Beruf zu machen. Richtig zum Fotografieren gekommen bin ich erst mit 19 als ich mit meinen Eltern im Urlaub auf der Insel Föhr war. Es war das erste Jahr nach dem Abitur und für mich eine sehr schwierige Zeit, da ich enge Bezugspersonen und Freunde verloren hatte. Mit dem Fotografieren konnte ich mich ablenken und diese Gefühle verarbeiten.

Zur ersten Frage noch ein kleiner Zusatz; Was motiviert dich und woher holst du deine Motivation?

Meine größte Motivation kommt aus der Musik – ohne neue Musik, keine neuen Fotos.
Ich bin ein sehr aufmerksamer Zuhörer und kenne von fast allen Liedern auf meinem Handy die Songtexte auswendig.

Lieder sind eine hervorragende Inspirationsquelle, sie bieten einem alles, was auch ein gutes Bild haben sollte: Dramaturgie, Atmosphäre, Geschichten. Manchmal malen einem Lieder auch so detaillierte Szenen, dass man sie so in der Fotografie übernehmen kann, man muss nur genau hinhören.

Wie sieht bei dir die Planung von einer konzeptionellen Idee bis zum Endprodukt aus? Hast du öfter mal Angst deine Ideen nicht perfekt umzusetzen?

Die Ideen kommen eigentlich ständig.
Meistens wenn ich gerade unterwegs bin oder Musik höre. Manchmal sind sie ganz präzise, manchmal nur sehr vage.
Insgesamt benötigt es aber das richtige Gleichgewicht zwischen der genauen Planung und dem zufälligen Entstehen der Bilder. So fahre ich oft weg für meine Fotoserien, besorge mir Kleider etc. Wenn ich aber vor Ort bin schaue ich mich erst mal eine Weile um und entscheide dann spontan, meist gegen meine eigentlichen Überlegungen, wo ich was shooten will.
Angst, seiner Ideen nicht gerecht zu werden, hat man immer.
Aber genau das spornt mich an und setzt das Niveau höher, damit ich mich weiterentwickle.

Du machst sehr viele Selbstpotraits. Was macht dir mehr Spaß? Selbst hinter der Kamera zu stehen oder davor und warum?

Beide Seiten haben ihre Vor- und Nachteile. Wenn man ein Model hat, ist es ohne Frage sehr viel einfacher, man kann sich frei bewegen und mehr Perspektiven ausprobieren.
Allerdings hänge ich selber emotional stärker an meinen Selbstportraits. Manche Geschichten kann man einfach nicht durch fremde Gesichter erzählen, es würde sich nicht authentisch anfühlen.

Außerdem kann ich viel mehr experimentieren. Ich probiere häufig Dinge an mir selber aus, die ich keinem Model oder Freund von mir zutrauen will, oder es auch nur wagen würde danach zu fragen… Dadurch entstehen aber häufig neue Ideen und einige meiner besten Bilder.

Der Nachteil ist allerdings, dass man stark an das Stativ und seine Möglichkeiten in den Perspektiven gebunden ist.
In den Jahren habe ich dies bezüglich aber meine Tricks entwickelt, sodass bei manchen Fotos mir viele Leute nicht glauben wollen, dass ich das Foto ganz ohne Beihilfe geschossen habe.

Ich hab gesehen, dass deine letzte Reihe in Island entstanden ist. Was wäre deine Traum Location für ein Shooting?

Island ist eine der schönsten Gegenden der Welt und die Traum Location von vielen Fotografen. Das ist ein Grund, warum ich die Modeserie, die ich dort geschossen habe „Olymp“ genannt habe.
Es gibt viele Orte, an denen ich noch fotografieren will, von verlassenen Häusern bis hin zu verwinkelten Bibliotheken oder fern weg an Reisezielen wie Hawaii.
Im Alltag lasse ich mich aber von meiner unmittelbaren Umgebung inspirieren und finde dort auch häufig Traum Locations für bestimmte Ideen.

Hast du ein neues Projekt in Planung, bei dem du uns vielleicht einen kleinen Einblick gewähren möchtest?

Momentan bin ich für zwei Wochen für ein Praktikum bei einem Fotografen in Berlin. Gleich danach stelle ich bei dem Wannda Kulturfestival aus.
Große neue Fotoprojekte sind gerade aufgrund meines Studienganges nicht möglich aber im Sommer würde ich mir gerne wieder eines vornehmen.

Das plane ich aber meistens erst ein, zwei Monate davor.

Wie ist es Fotodesign zu studieren und inwieweit hat dich das für deine Zukunft beeinflusst?

Fast durchgehend von Menschen umgeben zu sein, die die gleiche Leidenschaft haben wie du, sich mit ihnen auszutauschen und Anlaufstellen bei Fragen zu haben ist wirklich etwas sehr motivierendes.
In dem Fotodesign Studiengang bekommt man ein gewisses Grundwissen der Fotografie vermittelt, was mich zum Einen sehr interessiert, zum Anderen auch umbedingt notwendig ist, wenn man sich später in der Fachwelt zurechtfinden will.
Allerdings hat mich der Studiengang in Bezug auf meine Fotos nicht sehr beeinflusst, meine Selbstportraits sind alles außerschulische, private Projekte.

Wenn irgendein Fotograf ein Bild von dir machen dürfte, welchen würdest du dir aussuchen?

Das ist echt eine schwierige Frage. Es gibt so viele gute Fotografen von denen ich gerne mal fotografiert werden würde.
Einer meiner Lieblingsfotografen ist Paolo Roversi, die Licht- und Farbstimmung in seinen Bildern ist einfach fantastisch.

Von ihm einmal fotografiert zu werden wäre schon etwas ganz besonderes.

Würdest du uns vielleicht noch dein derzeitiges Lieblingsbild zeigen und ein paar kurze Worte dazu sagen?

Eines meiner absoluten Lieblingsbilder ist das Bild „Evaporate“ aus meiner Nepal Serie.
Dieser Moment, den ich in diesem Bild festhalten konnte, gehört mit zu einem der außergewöhnlichsten und atemberaubendsten Augenblicken, die ich bisher erlebt habe.

Für dieses Foto bin ich ganz früh am Morgen vor Sonnenaufgang aufgestanden und in den Dschungel gegangen – was zu dieser Uhrzeit nicht ungefährlich ist.
Die Geräusche des Dschungels, die unterschwellige Spannung, die in der Luft lag und dann dieser magische Anblick von dem Fluss mit den Nebelschwaden in den ersten Sonnenstrahlen – ich kam mir vor wie in einer anderen Welt. Kurz nachdem ich das Bild gemacht habe, ist ein Nashorn den Fluss aufwärts gekommen und, da ich bereits eine unangenehme Begegnung mit einem seiner Artgenossen hatte, hab schnell meine Sachen gepackt und bin abgehauen.

 

© Amelie Satzger

© Amelie Satzger

Zum Abschluss – Was würdest du allen angehenden Fotografen für die Zukunft mitgeben?

Ich glaube einen eigenen Stil zu haben ist das wichtigste.
Nehmt euch Zeit um euren Stil zu finden, legt all eure Emotionen in eure Bilder. Wer durch seine Bilder die Betrachter berührt wird diese auch für sich gewinnen können.

 

 

 

Das war unser Interview mit Amelie Satzger, wir würden uns sehr über ein Feedback Eurerseits in unseren Kommentaren freuen. Wenn auch Ihr ein Interview mit Euren (Fotografen/Models/Assistenten) Favoriten lesen wollt, dann schreibt uns und wir schauen was wir da machen können.

Kontakt zu Amelie findet ihr unter folgendem link:

Webseite: Amelie Satzger