Hallo Antonius, erzähl mir doch am Anfang bitte etwas über dich und sag mir wie du zur Fotografie gekommen bist.

Mein Name ist Antonius Hilgers und ich wurde 1976 im schönen Grevenbroich / NRW geboren. Dort lebte ich dann auch die meiste Zeit meines Lebens, bis meine Familie und ich vor fast 10 Jahren dann hier runter nach Bayern gezogen sind und ich kann nur sagen: Es war die richtige Entscheidung. Die Landschaften hier sind einfach ein Traum, da freut sich jedes Fotografenherz. Wobei wir natürlich nicht wegen der Fotografie nach Bayern gezogen sind. Wir (meine Frau, die drei Kinder und ich) wollten einfach einen Klimawechsel und da bot sich Bayern an.
Meine erste Kamera erhielt ich bereits in meinen Kindheitstagen. Allerdings waren da meiner Fotografie noch Grenzen gesetzt, denn Filme für die Kamera und das spätere Entwickeln waren teuer. Deshalb erhielt ich pro Monat nur 1-2 Filme. Anfangs war das natürlich so gut wie gar nichts, meistens waren die Filme schon am ersten Tag verbraucht. Aber irgendwann merkte ich, dass ich nach dem letzten Foto immer wieder sehr lange warten musste, bis ich neue Filme bekam und fing deshalb an, gezielter Fotos zu schießen. Ärgerlich war natürlich auch, wenn von zwei 36er Filmen gerade einmal 20-30 Fotos etwas geworden waren, denn meine Kamera verfügte damals noch nicht über einen Autofokus oder einen Bildstabi. Als dann die ersten digitalen Kameras herauskamen, mit 0,3MP, habe ich mir gleich eine davon geholt und war natürlich brutal enttäuscht, was da für eine Bildqualität (im Vergleich zur analogen Qualität) abgeliefert wurde. Aber glücklicherweise hat sich das ja bis heute gravierend geändert.

 Was gefällt dir am Besten darin und motiviert dich jedes Mal wieder es zu tun?

Ich liebe es, mir ein Bild einfach nur vorzustellen und es dann Schritt für Schritt realistisch werden zu lassen. Ich nehme alle benötigten Fotos immer selbst auf, bediene mich also nicht bei Stock-Agenturen oder ähnlichem. So kann ich ganz exakt das Foto erstellen, welches ich auch haben möchte und muss keine Kompromisse eingehen oder sogar noch für ein „fremdes“ Bild bezahlen. Wenn ich Arbeiten nur für meine eigenen Zwecke erstelle, frage ich sehr gerne meine Tochter, ob Sie für mich modeln mag. Als dann Ihre Klassenkameradinnen davon erfuhren, sprach sich das sehr schnell herum und so organisierte ich ein Teenie-Shooting, mit 11 Mädels im Alter von 15 Jahren. Natürlich war alles mit den Eltern abgesprochen und so kam mein erstes größeres Shooting zu Stande. Mittlerweile veranstalte ich sehr oft solche kostenlose Shootings, wenn ich bestimmte Ideen im Kopf habe und dafür gezielt nach ein paar Models suche. Ich starte dann beispielsweise über Facebook einen Aufruf. Das ist mir lieber, als über Modelagenturen zu suchen, wo manche Menschen horrende Summen verlangen, nur weil sie gut aussehen. Über meine Suche gelange ich meistens an recht unerfahrene Models, denen man zwar sehr viel erklären muss, die aber sehr gut zuhören und meistens sehr motiviert sind. So erhalte ich meine Vorlagen für die Collagen und die Models tolle Fotos.

Fällt es dir schwer deine Ideen dann auch wirklich umzusetzen?

Nein, das kommt dann meistens ganz von allein. Oftmals kommt es zwar vor, dass mir bekannte Techniken nicht ausreichen, um einen bestimmten Effekt in Photoshop hinzuzuzaubern, aber in der heutigen Zeit ist das ja kein wirkliches Hindernis mehr. Es reicht eigentlich schon, den bestimmten Effekt so genau wie möglich in Google zu beschreiben und dann findet man irgendwelche Youtube-Videos, die zumindest einen ähnlichen Weg beschreiben. Dank vieler grandioser Künstler, die gerne bereit sind ihr Wissen zu teilen, ist diese Hilfestellung nahezu nicht mehr wegzudenken. Ich arbeite selbst gerade an einigen Videos zur Astrofotografie und anschließender Bildbearbeitung, die ich dann ebenfalls bald veröffentlichen kann, um anderen damit eine Hilfestellung zu geben.

Was für Ratschläge würdest du anderen angehenden Künstlern geben?

Falls man gerade erst mit der Fotografie oder der Bildbearbeitung angefangen hat, ist es überhaupt keine Schande, andere Fotos berühmter Künstler möglichst genau nach zu bauen. Natürlich sollte man solche Bilder dann nicht unbedingt (kommerziell) veröffentlichen. Es geht sich eher darum, dass man lernt, wie andere so ein Bild erstellen. Es gibt ja neben den bereits angesprochenen Youtube-Videos auch zahlreiche Zeitschriften, die sich mit der Fotografie oder der Bildbearbeitung beschäftigen. Hier sei etwa das großartige Dogma-Magazin erwähnt, was mir selbst sehr viele Aktionen beigebracht hat. Wenn man dann über ein breites Feld an Bearbeitungsmöglichkeiten verfügt, kann man damit beginnen, eigene Werke zu erstellen. Falls Ihr noch keine genauen Ideen habt, fragt ruhig die jeweiligen Models, was Sie sich vorstellen könnten. Paare mögen beispielsweise sehr verträumte, romantische Ergebnisse. Man mag es gar nicht glauben, aber sehr oft liefern die Models unzählige Tipps und Hinweise, die zu einem wirklich grandiosen Ergebnis führen. Fängt man fotografisch gerade erst an, sollte man nicht gleich tausende von Euros in Kamera und möglichst viele Objektive investieren. Es ist sinnvoller, wenn man den Kamerabody richtig zu bedienen weiß und mit der Brennweite umzugehen weiß. Manchmal reichen ein paar Schritte vor oder zurück und man erhält einen ganz anderen Bildeindruck. Daher lieber einen Body und ein einziges richtig gutes Objektiv. Mehr kann man später immer noch hinzu kaufen.

Wenn du dir Künstler für eine Gemeinschaftsarbeit aussuchen dürftest, welche wären es und wieso genau diese?

Tatsächlich gibt es da sogar eine ganze Menge großartiger Künstler, mit denen ich gerne mal zusammenarbeiten würde. Clavin Hollywood oder Garbor Richter wären nur zwei davon. Ich hatte einmal die Ehre, bei einem Facebook-Wettbewerb eines von Calvin´s Bildern bearbeiten zu dürfen und landete immerhin auf Platz 3 (Der Spartaner). Interessant wäre sicherlich einmal ein richtig großes Projekt, wo sich viele dieser Künstler zusammen tun, um eine ganze Serie von fantastischen Bildern zu entwerfen. Ich bin mir sicher, dass jeder dort seinen Teil dazu beitragen könnte. Man könnte vielleicht versuchen, absolut beeindruckende Bilder zu erstellen, um den Menschen wieder etwas Wärme in die Herzen zurück zu bringen. Gerade in der heutigen Zeit ist überall Krieg und Leid, es befinden sich so viele Menschen auf der Flucht. Das sind Themen, wo man immer sehr viel Unterstützung von helfenden Menschen gebrauchen kann. Wer könnte besser Grafiken und Fotos dazu erstellen, als die „Könige“ der Fotografen und Bildbearbeiter?

Bearbeitest du viel an deinen Bildern?

Das hängt sehr von den Fotos ab. Reine Landschaftsaufnahmen bearbeite ich eher wenig. Da lasse ich der Natur und den natürlichen Farben gerne freien Lauf. Bei Portraits nehme ich (auf Wunsch des Models) hin und wieder eine Beautyretusche vor oder setze das Model auch mal vor einen anderen Hintergrund. Bei der Astrofotografie geht es schon gar nicht mehr ohne Bildbearbeitung. Das liegt einfach daran, dass manche Serien über Stunden aufgenommen werden. Anschließend werden alle Fotos entwickelt und miteinander verrechnet. Bei Fotomontage ist natürlich klar, wo der Schwerpunkt der Bearbeitung liegt. Komplett unbearbeitete Fotos sind meist die privaten Fotos aus dem Urlaub, Städtetouren oder Tagesausflügen.

Wie gehst du mit Kritik um?

Nur durch Kritik kann man sich ständig weiter entwickeln. Ich finde es zwar super, wenn meine Fotos hunderte Likes, Sternchen oder was auch immer bekommen, aber wenn man sich solche Portale einmal genauer anschaut, merkt man schnell, dass auch wirklich blöde Fotos hunderte solcher Top Bewertungen erhalten. Daher ist es mir lieber, wenn man mir auch mal Sachen beschreibt, die dem Gegenüber nicht so gut gefallen. Natürlich sind da Geschmäcker verschieden, aber oftmals ist es so, dass eine ernstgemeinte Kritik wirklich helfen kann. Ich habe mir solche Kritiken anfangs immer sehr zu Herzen genommen, habe teilweise sogar geglaubt, dass ich es „einfach nicht drauf habe“. Aber ich verfeinerte meine Arbeit, achtete viel mehr auf die Details, wie etwa den Schatten- oder Lichteinfall und konnte mich so immer weiter entwickeln. Ich würde auch jetzt noch ruhiges Gewissens bahaupten, dass meine Arbeiten bei weitem nicht perfekt sind. Aber da stellt sich mir die Frage, ob irgendjemand wirklich so eitel wäre, dass von sich so zu behaupten?

Was ist das Spannendste oder dir Wichtigste das du durch die Fotografie gelernt hast?

Mir ist aufgefallen, dass ich mit viel offeneren Augen durch die Welt laufe, seit ich mich ernsthaft mit der Fotografie beschäftige. Man sieht plötzlich Landschaften in einem ganz anderen Licht oder einen einzelnen Baum, wo man gleich das Gefühl hat, dass es ein Top-Foto werden würde. Mir ist es auch schon sehr oft passiert, dass ich mit dem Auto irgendwohin gefahren bin und eine super Location entdeckte, zu dem Zeitpunkt aber keine Kamera dabei hatte. So fuhr ich dann oftmals nochmal mit der Kamera bewaffnet dorthin, aber irgendwie passte es dann nicht mehr. Eben weil das Licht anders war, die Stimmung nicht mehr passte und so fuhr ich dann ohne Foto wieder nach Hause. Ich bin auch schon 6 Stunden lang einen Berg aufgestiegen, weil ich unbedingt einen bestimmten Wasserfall fotografieren wollte und bin dann irgendwann völlig erschöpft umgekehrt, weil dieser dumme Wasserfall einfach nirgends zu finden war. Ich war übrigens bis heute noch zwei Mal bei diesem Berg, den Wasserfall habe ich nie gesehen. Was ich also durch die Fotografie gelernt habe? Wenn man etwas fotografieren möchte, sollte man sich möglichst genau darauf vorbereiten und auch genau schauen, wo man das gewünschte Ziel auch finden kann.

Wen würdest du unbedingt gerne mal treffen?

Steven Spielberg. Schon als kleines Kind träumte ich davon, einfach mal am Drehset stehen zu dürfen und ihm bei der Arbeit zuschauen zu können. Dürfte bestimmt wahnsinnig interessant sein.

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© Antonius Hilgers

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