Interview mit „Bastian Werner“

Erzähl mir etwas über dich und sag mir wie du zur Wetterfotografie gekommen bist?

So, also zur Wetterfotografie bin ich dadurch gekommen, dass ich seit Kindesalter Luftfahrt begeistert gewesen  bin und hab mir damals mit 14 Jahren zur Konfirmation eine Kamera besorgt, um damit am Frankfurter Flughafen Flugzeuge zu fotografieren. Ich habe dann einen Segelflugschein gemacht und durch den Segelflugschein kommt man ja bei der Ausbildung gut herum und beschäftigt sich dadurch sehr mit der Landschaft und dem Wetter. Bei vielen Flügen hatte ich natürlich meine Kamera dabei und das dokumentiert und so ist dann die Wetterfotografie entstanden. Ich fand dann Gewitter am faszinierendsten und hab dann irgendwann angefangen Gewitter zu dokumentieren und irgendwann stieg der Anspruch von der reinen Dokumentation weiter zur richtigen Fotografie von Gewittern und Unwettern.

Was gefällt dir am Besten darin und motiviert dich?

Also da ich als Landschaftsfotograf natürlich immer sehr viel mit dem Licht arbeite, gefällt mir eigentlich am Besten daran an diesem Hobby, dass ich eigentlich sehr viel voraus sagen kann, wie das Licht wird, aber ich werde nie im Detail voraus sagen wie das Licht wird. Also ich kann beispielsweise vorhersagen wie das Abendrot werden wird und ob es eins gibt; aber ich werde nie im Detail sagen können, wie intensiv dieses Abendrot wird, weil das Licht im Endeffekt auf die Landschaft fällt und dieser Moment – diese paar Minuten – das Licht auf einmal kommt und die Landschaft erleuchtet – das ist einer der schönsten Momente, die man dabei hat. Und was auch noch ist, was natürlich noch viel spaßiger ist, das ist das Jagen von Gewittern – wenn man dann wirklich Unterwegs ist beim Jagen nach Gewittern und man entsprechend da Tage lang geplant hat, um das Gewitter zu erwischen und dann fährt man los und dann schafft man dieses Gewitter nach 6-7 Stunden warten und Fahrt endlich zu erwischen und steht dann unterhalb von dieser fetten Gewitterzelle und kann diesen Moment genießen. Genau das ist das was einen bei der Wetterfotografie sehr weit antreibt und natürlich auch das Adrenalin, wenn oberhalb von einem die Blitze einschlagen.

Wie fängt für dich der Prozess der Wetterfotografie an?

Der Prozess der Wetterfotografie fängt bei mir damit an – wenn man sich den Landschaftsfotografie Teil nimmt – das ich mir ein Motiv überlege, vor allem was ich fotografieren könnte und dann schau ich aktiv danach, wann das Wetter für dieses Motiv am Besten ist. Zum Beispiel mal die Burg Hohenzollern, die hatten wir letztes Jahr im Herbst fotografiert, da wollten wir das so haben das die Burg wie ein Schloss im Himmel, quasi über den Wolken herausschaut. Und um das zu erreichen haben wir eben gewartet, dass der Nebel so perfekt gewesen ist – sodass die Burg Hohenzollern aus den Wolken herausgeschaut hat. Da haben wir auch erst wirklich das Motiv ausgesucht und dann gewartet bis das Wetter passend ist.

Wie würdest du das perfekte Bild beschreiben?

Das schönste Motiv wäre für mich bei Sonnenuntergang eine schöne Gewitterzelle, die angestrahlt wird von diesem Licht, wunderbare Wolkenstruktur in einer richtig schönen Landschaft und dann noch ein paar Blitze die da rauskommen. Das wäre für mich das perfekte Foto. In der Nähe hab ich das schon erwischt, aber die Perfektion ist noch nicht da, weil das sehr sehr schwer ist dieses Motiv umzusetzen. Das ist quasi das Highend der Sturmfotografie.

Wie läuft der komplette Prozess, bis zum Endergebnis ?

Jetzt bezüglich der Gewitterjagd da fängt so meine Arbeitszeit natürlich damit an das ich aktiv das Wetter anschaue und wann könnte es ein Gewitter geben und fünf Tage vorher bahnt sich das dann an und dann kann man ein bisschen beobachten, wie sich das dann bilden wird mit dem Gewitter. Drei Tage vorher kann man es dann ganz sicher sagen und diese drei Tage vorher, sind dann die Zeit in der man dann anfängt zu planen, mit dem Trip und wo man sich mit seinem Team trifft, wann man los fährt. Wenn es dann an diesem Tag los geht fährt man gemütlich erst einmal mehrere Stunden ins Zielgebiet und wartet dann auf die Gewitterzelle. So sieht so ein Arbeitsalltag aus – viel Planung und wenig Fotografieren, dass ich eigentlich so die Wahrheit über die Gewitter und Wetterfotografie.

Was sind die drei einzigartigen Dinge an dem was du tust?

Die Einzigartigkeit an dem was ich tue, ist die Sicherheit für meine Vorhersehbarkeit. Das ist wirklich das einzigartige, das so wie ich das mache, gibt’s da nur paar Landschafts- und Wetterfotografen, die da überhaupt das Wetter vorhersagen. Diese Fähigkeit hat ein normaler Landschaftsfotograf nicht. Also ich weiß schon einige Tage im Voraus, ob es ein Abendrot, Nebel, Polarlichter geben wird; wie schön der Schnee ist und ob, wo und wie viel es schneien wird. Diese Dinge weiß ich eben und kann des vorhersagen und hab dann die Möglichkeit, Motive zu realisieren, mit extrem geringen Zeitaufwand. Im Gegensatz zu einem Landschaftsfotografen habe ich einen viel geringeren Zeitaufwand, weil ich weiß was ich bekomme. Misserfolge schließen sich dadurch bestmöglich aus, weil das Wetter die Landschaft vorhersagt und das Wetter macht eine Landschaft aus, bestimmt das Licht und das Wetter verwandelt die Landschaft erst.  Eine Winterlandschaft ist einfach ein komplett anderes Motiv, als wenn man die jetzt im Sommer fotografieren würde. Die Möglichkeit diese Verwandlung vorherzusagen, durch das Wetter, ist quasi das Einzigartige an meiner Fotografie.

Gibt es ein neues Bild von dir, dass du gerne zeigen würdest und wieso genau dieses?

Natürlich gibt es auch ein neues Bild von mir was ich gerne mit euch teilen würde. Das ist Ende Februar in den Dolomiten entstanden, nach Sonnenuntergang und während der blauen Stunde. Ich steh da oben über dem Nebelmeer und betrachte als Selbstpotrait von oben eben dieses Nebelmeer. Die Technik mit der ich mich bedient habe, war ein Grauverlaufsfilter, um den Himmel bei der blauen Stunde dunkler zu bekommen und dann habe ich die Intervallfunktion meiner Nikon Kamera verwendet, um mehrere Aufnahmen machen zu können. Ich habe diese dann angemacht und mich dann zu dem Vorsprung vorgelaufen und habe dann ein bisschen rumgepost und verschiedene Aufgaben von mir gemacht. Das war der Trick wie ich so viele Fotos von mir selbst, 100m von meiner Kamera entfernt,  machen konnte.

 

Selbstporträt auf einem Berg

© Bastian Werner

Was für Ratschläge würdest du anderen angehenden Wetter Fotografen mitgeben?

Gut, anderen Wetter Fotografen habe ich eigentlich keine Ratschläge zu geben, weil die ihren Job eigentlich wirklich gut machen. Ich koennte aber Fotografen, die nicht Wetter fotografieren, damit aber anfangen wollen, die sich aber mehr mit dem Wetter und ihrem Motiv auseinandersetzen wollen , den Tipp geben, sich mit der Wettervorhersage – im Sinne von Wetterkarten und -modellen auseinanderzusetzen, weil das die Lösung hierfür ist. Wenn man das dann einmal kann, dann kann man das sehr gut für seine Fotos nutzen und das ist der größte Tipp, den ich Landschaftsfotografen geben kann, der sich nicht mit dem Wetter beschäftigt.

 

Vielen Dank Bastian für das Interview.

Mehr Informationen findet ihr unter: facebook | 500px

2017-11-26T13:11:56+00:00
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