Erfahrungsbericht über meinen Wechsel von der Nikon D700 zur Fuji X-T2

Fakten zur FUJIFILM X-T2

ZEITLOS / SPIEGELLOS / ISO-LOS

Zu allererst möchte ich sagen das der Vergleich natürlich nicht ganz Fair ist, aber in meinem fotografischen Bereich haben beide Kameras eigentlich einen Grund bei mir Einsatz zu finden.

Ja es liegen 10 Jahre Evolution zwischen beiden Kameras, aber auch die D700 ist für Ambitionierte Eventfotografen immer noch ein gern genommenes Arbeitsgerät, da sie aufgrund Vollformatsensor, relativ geringen 12 Megapixel und dadurch guter ISO-Verträglichkeit doch sehr vernünftige Bilder macht. Alle neueren Nikon der 3-Stelligen Reihe haben diese ISO-Stärke wieder verloren und finden daher vermehrt ihren Einsatzzweck in der Studiofotografie.

Aber kommen wir nun zu meinen Erfahrungen nach 4 Wochen Fuji.

Ich bin den Schritt des kompletten Systemwechsels gegangen, weil ich mit meiner D700 immer mal wieder an die ISO-Grenze kam, die Bilder waren ab ISO 6400 zu verrauscht aber diese höhe der ISO benötige ich doch recht häufig.

Durch einen befreundeten Fotografen, der auch Promoter für die Firma Fujifilm ist, kam ich relativ häufig in Kontakt mit diesem System. Bei gemeinsamen Astrofotografie-Touren überzeugte mich schon die extreme ISO-Stärke, ebenso sah ich sehr häufig seine Hochzeitsfotos, in den dunkelsten Kirchen geniale scharfe und rauscharme Bilder.

Also fuhr ich in letzter Zeit häufig bei Ihm vorbei und spielte immer wieder mit seiner X-T2 und der X-Pro 2 herum. Zuerst einmal viel mir die Kompaktheit auf, Sie ist leicht, alles direkt erreichbar über „altmodische“ Rädchen, eine tolle Haptik besonders mit Batteriegriff und sofort ein sehr stabiles Gefühl, kein Kunststoff, alles Metall.

Ich konnte mir gut vorstellen das diese Kamera mich in meinem Bereich weiter bringt und mir die Arbeit erleichtert.

Also war vor 4 Wochen die Entscheidung gefallen. Die Kamera wird bestellt.

Ich hielt die Augen offen auf dem Gebrauchtmarkt, mein Wunschsystem für den Anfang war die X-T2 mit Boostgriff, dem 16-55mm 2.8 und wenn möglich das 50-140mm 2.8. Und irgendwie meinte man es gut mit mir, nach 4 Tagen Foren durchsuchen postete ein Österreicher genau dieses Paket zu einem sehr guten Preis. Da wartete ich nicht lange.

Nach 4 Tagen war sie dann endlich bei mir.

Ausgepackt, alles angeschlossen, Speicherkarten und Akku rein und direkt loslegen.

Also machte ich sofort die Verkaufsbilder meiner alten Nikonausrüstung mit ihr. Man muss ja direkt was Sinnvolles mit dem neuen Schätzchen anstellen.

Ich war begeistert, tolle detaillierte Bilder.

Tamron 70-200mm 2.8

Tamron 70-200mm 2.8

Glücklicherweise war 2 Tage später Halloween und ich war zu Gast auf der Burg Frankenstein auf der Halloween Party, was durfte da nicht fehlen, na klar, die X-T2.

Also daheim noch gegoogelt was für Automatikeinstellung die X-T2 zu bieten hat und diese schnell noch daheim eingespeichert. Das tolle an der Kamera ist das man 3 Profile einspeichern kann je nach Belichtungszeit die man benötigt. Ich gebe der Kamera also vor Mindest-ISO bis Maxi-ISO und sage Ihr welche Belichtungszeit nicht unterschritten werden darf. Den Rest macht Sie alleine, Die Blende habe ich manuell auf 2.8 gelassen. Das Ganze kann man 3-mal machen und sehr schnell über die „Fn“ Taste hin und her wechseln. Sobald ich also in eine Actionsituation komme stelle ich den Automatikmodus auf mindestens 1/200 Belichtungszeit und sie regelt die ISO nach. Habe ich statische Situationen die ich fotografieren möchte stelle ich wieder um, sage der Kamera, du darfst jetzt bis 1/40 runtergehen, das schont die ISO. Und das alles Blitzschnell mit einer Taste, sehr tolle Funktion die ich jetzt schon Liebe.

Vor Ort merkte ich allerdings das ich mit meinen eingespeicherten Maximal ISO von 12800 an die Grenze komme, es war super dunkel auf der Burg. Überall nur Farbige Lichter in den Gebüschen um den Weg auszuleuchten, keine Laternen, keine Wegbeleuchtung. Also noch schnell vor Ort Manuell auf ISO 25600.

Die Bilder auf der Kamera sahen bei dieser schon sehr geil aus, sehr sanftes rauschen bei dieser ISO-Zahl. Umso mehr Angst hatte ich vor der Begutachtung am PC. Ich war der Meinung, bei der ISO Zahl muss doch alles an Details kaputt sein.

Des Weiteren muss man den sagenhaften Autofokus Loben. Was noch der größte Kritikpunkt beim Vorgänger der X-T1 war, ist nun mit der größte Pluspunkt bei der X-T2 geworden. Das eine Kamera in solch dunklen Situation tatsächlich noch einen treffsicheren Autofokus bieten kann ist unglaublich. Es gab kein Pumpen, kaum Fehlfokus, und das bei Dunkelheit die ISO 25600 bei 1/40 und 2.8 Blende nötig hatte. Es ist Wahnsinn.

Am nächsten Tag voller Spannung also aus dem Bett gesprungen, PC an und sofort die Speicherkarte in Lightroom Importiert. Und was soll ich sagen, ja es rauscht, klar sind auch ISO 25600, aber das Rauschen war so stark wie bei meiner D700 bei ISO 6400. Also Topergebnis. Was mich dann wiederrum überrascht war die mögliche Bearbeitung in Lightroom. Entrauschen auf 30 gestellt, paar Anpassungen in Details und Maskieren beim Schärfen, und zack, das Bild ist absolut brauchbar für Social-Media und kleinere Ausdrucke.

FUJI X-T2 bei ISO 25600

FUJI X-T2 bei ISO 25600

Ich habe jetzt in den letzten 2 Wochen noch einige Aufnahmen unter normalen Lichtsituationen gemacht und auch die waren perfekt. Es ist unglaublich wieviel Dynamikumfang die X-T2 schon in der Aufnahme aufnimmt. Egal wie dunkel die Ecken eines Raumes sind, egal wie Hell das Fenster ist, es sind so viele Informationen schon in der Rohaufnahme zu sehen das das Bild schon bearbeitet aussieht.

 

Kommen wir nun zur letzten Erfahrung mit der X-T2. Durch eine Geschäftsreise war ich 4 Tage in Bremen und ich suchte mir in Facebook einen Bremer Fotografen der bereit ist mir Bremen und dessen schöne Fleckchen zu zeigen. Es meldete sich Marc Krug welcher ein begnadeter Landschaft- und Architekturfotograf ist und so ziemlich alle schönen Gebäude und Plätze von Bremen kennt.

Wir schlenderten also an der Weser entlang, über verschiedene Brücken, auf den Marktplatz und die Bötchergasse. Und auf dieser Tour stellte ich das nächste geile Feature der Kamera fest.

Während Marc aufgrund nicht mitgenommenen Fernauslöser mit Timerfunktion nur 30 Sekunden Belichten konnte merkte ich auf einmal das auf dem Zeitenrädchen bei der Fuji ein „T“ steht. Ich also ganz neugierig geschaut was das denn bewirkt, und siehe da. Ich kann 40-50-60 Sekunden Belichten, darüber hinaus noch 2, 4, 8 und 15 Minuten. Wie geil ist das denn? Perfekt für Leute für nächtliche Architektur und Streetfotografen.

Warum das ein tolles Feature ist fragen sich jetzt manche. Marc hatte das Problem das wir zum Beispiel auf dem Marktplatz noch viele Leute laufen hatten. Mit seinen 30 Sekunden haben viele Leute ihm noch das Bild leicht versaut. Ich habe einfach Kameraintern 1 Minute gemacht, die Blende dafür weiter geschlossen und bei mir sind weitaus weniger störende Leute auf dem Bild zu sehen.

Am Abend zurück habe ich schnell die Bilder auf mein Lenovo Yoga Book (hier folgt demnächst auch ein Testbericht) geladen, angefangen zu bearbeiten und war wieder einmal überrascht wie viele Tiefendetails die Kamera in Lightroom rausholen lässt, und wie stark sich leichte überlichtete Lichter zurückdrehen lassen ohne dass sie Grau werden, was man von Kameras mit weniger Dynamikumfang kennt.

LZB 1 Minute bei ISO 200 und Blende 13

LZB 1 Minute bei ISO 200 und Blende 13

Bei all den kleineren Touren die ich jetzt in den 4 Wochen gemacht habe kann ich folgendes über den Vergleich D700 und X-T2 sagen.

Kompakt und leicht

Zu allererst mal die Kompaktheit und das dadurch fehlende Gewicht der X-T2. Wir waren 5 Stunden auf der Burg Frankenstein, ständig die Kamera umhängen gehabt an einem Schultergurt wie auch damals die D700. Auch in Bremen waren wir gut 3 ½ Stunden unterwegs, hier habe ich die Kamera ständig mit dem Stativ herumgetragen und es ist einfach schön, wenn man gut ein halbes Kilo weniger mit sich rumtragen muss. Auch die Objektive, der Batteriegriff sind kleiner und kompakter was ebenso wieder paar Gramm spart. Ich schätze mit einem normal bestückten Kamera kommt man auf Gut 1 KG weniger Gewicht. Das hört sich erstmal nicht viel an, aber wenn man die Kamera bei Hochzeiten oder Events mehrere Stunden am Stück auf der Schulter hat merkt man 1 KG doch irgendwann.

ISO-Stärke

Das bislang höchste was ich bis jetzt benutzt habe ist ISO 25600 und mit ein bisschen Nachbearbeitung ist das Bildergebnis für die meisten Zwecke absolut brauchbar. Auch das Rauschen selbst ist so fein und gleichmäßig das es eigentlich nicht wirklich als störend empfunden wird. Das kommt natürlich durch die Sensortechnologie welche momentan überall als ISO-los bezeichnet wird. Vereinfacht erklärt bedeutet das das der Sensor nicht wie bei älteren Modellen und DSLR für eine höhere ISO mehr unter Strom gesetzt wird wodurch er Empfindlicher wird, was aber auch dazu führt das er Fehler produziert, das sichtbare Rauschen. Die „ISO-losen“ Kameras dagegen nehmen jedes Bild auf dem Sensor mit ISO 200 auf und eine höhere oder niedrigere eingestellte ISO wird in der Kamera simuliert, also quasi eine Kamerainterne direkte Nachbearbeitung. Das führt dazu das das Rauschen gleichmäßiger wird und geringer bleibt. Im Fall der X-T2 kann ich sagen, ja es funktioniert.

Autofokus

Der Autofokus ist grandios. Bei nahezu völliger Dunkelheit Treffsicher und sau schnell. Ein Vergleich wieviel besser der Autofokus gegenüber anderen Kameras ist hatten wir in Bremen. Für die Fotos vom Marktplatz in Bremen habe ich den Autofokus fokussieren lassen und Marc Krug musste mit seiner Canon 6D manuell Fokussieren da seine Kamera keinen Punkt mehr zum anständigen fokussieren mehr finden konnte. Und die 6D ist wahrlich keine schlechte Kamera. Ich bin schon gespannt, wenn ich die nächste Möglichkeit bekomme den Verfolgungsmodus der X-T2 zu testen, auch der ist bei allen Nutzern bislang hochgelobt, manche sprechen davon das die Kamera scheinbar vorher schon weiß wohin sich das Objekt der Begierde bewegt.

Bedienung

Die Fuji X Reihe sticht aktuell auf dem Kameramarkt besonders durch ihre Optik hervor. Dies ist den „alten“ Einstellungsrädchen geschuldet über die die Kamera überwiegend bedient wird. Ich hatte große Sorgen das mir als Technikfreak die Menübedienung und Tastenkombination der Nikon D700 fehlen wird. Aber ich war schon nach 2 Wochen so fit mit der X-T2 das ich ohne großes schauen die Kamera beim Durchsehen durch den Sucher quasi Blind verstellt habe. Die, im Vergleich zur X-T1, höher gemachten Rädchen sorgen dafür das man diese Blind treffsicher fühlt und mit wenig Kraft bedienen kann. Ein Arretierungsknopf auf jedem Rädchen sorg dafür das man die Rädchen nicht ausversehen verstellen kann, auch sehr Clever gemacht. Der Joystick zum Verstellen der Fokuspunkte ist leicht zu bedienen, auch sehr leicht zu erreichen in jeder Situation. Mit dem Batteriegriff bekommt man noch einen 2ten Joystick dazu der im Hochformat perfekt platziert ist.

Akkulaufzeit

Also das ist das einzige wo ich bislang wirklich als Nachteil zur Nikon D700 sehe. Ich habe mittlerweile 6 Akkus auf Lager. Wer viele lange Touren oder viele Bilder am Stück wird die bei den DSLM Kameras auch benötigen. Eine Akkuladung hält bei meinen gewählten Einstellungen für ca. 350-400 Bilder. Das ist aber nicht nur bei Fuji so, auch alle anderen DSLM auf dem Markt haben diesen Nachteil. Ist ja auch verständlich, es passiert elektronisch noch viel mehr im Hintergrund als bei einer DSLR. Auch das ständig irgendein Display an ist, egal ob der im Sucher oder der große Bildschirm für das Liveview.

Sonstiges

Die Kamera verfügt über 2 SD Karten Slots welche sehr weitgehend angepasst werden können. Sie können als RAW/JPG Kombination genutzt werden, Sie können beide als RAW genutzt werden, beide Als JPG, man kann intern die Speicherplätze nach Belieben wechseln wo was gespeichert wird. Je nach zu erwartender Bildmenge oder falls man die ersatzkarten vergessen hat kann man sich somit das Überleben mit den 2 Speicherkarten sichern, dass man schnell von RAW auf JPG geht um so mehr Bilder drauf zu bekommen.

Der Sucher ist in meinem fotografischen Bereich Gold wert. Ich sehe direkt das fertige Bild was die Kamera mit meinen gewählten Einstellungen aufnehmen wird. Besonders bei Events mit viel Beleuchtung ist das Gold wert. Auch das bei der X-T1 noch bemängelte Bildschirmflimmern im Sucher ist mir bislang noch nicht aufgefallen, jedenfalls stört mich da nichts.

Endgültiges Fazit:

Ich bereue den Wechsel in keinem einzigen Punkt Im Gegenteil, ich bereue das ich den Wechsel nicht schon früher machen konnte. Für meinen Zweck scheint es die aktuell perfekteste Kamera auf dem Markt zu sein. Leicht, kompakt, Iso-Stark, treffsicherer AF und eine Wahnsinns Dynamik und Bildqualität. Ich werde mein Equipment demnächst noch um ein Ultra-Weitwinkelzoom und 1-2 Festbrennweiten erweitern. Dann dürfte ich die für mich perfekte Ausrüstung zusammen haben.

Bitte versteht mich bei all meiner Euphorie nicht falsch. Es gibt keine allgemeine perfekte Kamera. Es kommt immer auf den Einsatz an. Aber ich denke Reportagefotografen, Streetfotografen, Eventfotografen und auch Sportfotografen dürften mit diesem System eine gute Alternative bekommen, wenn Sie mit der Bedienung zurechtkommen. Für Studiofotografen dürften alle DSLM noch nicht wirklich das Mittel zum Zweck sein, da die Vorteile der Fuji X-T2 dort nicht wirklich zum Tragen kommen.