Hallo Herr Mett, zu Anfang wäre es schön etwas allgemeines über Sie zu erfahren!

Ich heiße Alexander Mett und wohne in Bad Tölz. Beruflich bin ich tätig als selbstständiger SEO und Webdesigner.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Angefangen hat alles, als ich aus privaten Gründen von Friedberg/Hessen nach Bad Tölz gezogen bin. Am Anfang habe ich mich zunächst nur für die Landschaftsfotografie interessiert, was aber auch berufliche Gründe hatte. Für meine Reisewebseite habe ich viele Bildergalerien erstellt und bin dazu durch Oberbayern und Tirol gefahren. Diese Reisewebseite habe ich inzwischen verkauft. Im Kundenauftrag erstelle ich aber auch heute noch öfter mal Landschaftsbilder.

Haben Sie ein Lieblingsbild und können Sie es uns hier zeigen?

Ja es gibt ein Bild welches ich als mein Lieblingsbild bezeichnen würde. Auf diesem Foto sieht man zwei Springspinnen die sich um eine Fliege streiten. Was für den ein oder anderen vielleicht nach einer Photoshop Montage aussieht, ist aber tatsächlich so passiert, ich habe auf meiner Webseite dazu eine Doku gepostet die das zweifelsfrei beweist. Das Foto ist ein manueller Focus Stack aus 4 Aufnahmen, die Szene spielte sich an einer Holzhütte ab. An solchen Holzhütten wie es hier im Tölzer Land viele gibt, leben verschiedene Springspinnenarten wie etwa Marpissa muscosa, Sitticus pubescens und Salticus scenicus. Oft findet man an alten Holzhütten auf wenigen Quadratmetern Fläche bis zu einem Dutzend Springspinnen. Wenn sich dann eine Fliege irgendwo hinsetzt, dann kann es vorkommen das sich zwei Springspinnen gleichzeitig für sie interessieren. Ich habe eine solche Situation schon etwa dreimal gesehen. Das liegt aber auch daran das ich dieses Jahr etwa 400 Stunden damit verbracht habe, Springspinnen aufzuspüren und zu fotografieren. Generell ist eine solche Situation daher natürlich schon selten zu beobachten.

 

 

 

© Alexander Mett

© Alexander Mett

Wie läuft bei Ihnen der Prozess eines Bildes ab?

Das ganze fängt damit an, dass ich mir zunächst überlege wohin ich für eine Fototour gehe bzw. fahre. Es gibt Gebiete da finde ich z.B. eher Raubfliegen und dann gibt es welche da finde ich eher Springspinnen. Da diese Gebiete aber recht groß sind und auch der Weg dahin meistens weit ist, finde ich normalerweise auf einer Tour aber alles mögliche an Insekten und Spinnen. Ich gehe normalerweise aber schon mit einer festen Vorstellung von dem was ich finden will auf eine Tour und dafür gibt es dann gewisse „Hotspots“. Habe ich ein passendes Motiv gefunden dann schleiche ich mich ganz vorsichtig an, damit das Insekt/die Spinne nicht flüchtet und mache meine Aufnahmen. Aufnahmen deshalb, weil ich meistens von einem Motiv ganze Serien erstelle und hinterher die besten Bilder für die weitere Bearbeitung aussuche. Außerdem brauche ich bei den extremen Abbildungsmaßstäben (2:1- 5:1) in denen ich fotografiere, für eine möglichst große Schärfentiefe gleich mehrere Fotos, die ich dann hinterher am PC per Focus Stacking zusammenfüge. Damit die Chancen auf gute Focus Stacks möglichst hoch sind, gehe ich normalerweise sehr früh raus, da die Insekten dann noch eine Art Kältestarre haben oder sich zumindest noch sehr träge bewegen. Springspinnen und die meisten anderen Spinnen findet man so früh aber nicht, da sie dann noch in ihren Wohngespinnsten oder anderswo Unterschlupf suchen. Früh Morgens fotografiere ich daher Insekten und besonders diejenigen die sonst tagsüber die meisten Zeit durch die Gegend fliegen. Wenn ich dann nach einer mehrstündigen Fototour genug Bilder gemacht habe geht es Zuhause ans auswählen und die Nachbearbeitung. Ich nutze dazu Photoshop CS5 und oft auch Nik Color Effex 4. Ziel meiner Bearbeitung ist es im Idealfall das eine Bildaussage verstärkt bzw. unterstützt wird. Es gibt z.B. Spinnen die ziemlich niedlich aussehen wie eigentlich alle Springspinnenarten, dann gibt es welche die eher nicht so niedlich aussehen wie etwa die Winkelspinnen. Diesen Eindruck versuche ich durch meine Bearbeitung zu verstärken, indem ich oft bei den Springspinnenfotos besonders bunte Hintergründe verwende und die Augen betone, um sie noch niedlicher wirken zu lassen. Ich mache das aber nicht zu oft, da sich jeder Effekt irgendwann abnutzt. Wichtig ist nur das jedes Bild eine Top Qualität hat und das wird in erster Linie durch optimales Licht und eine perfekte Schärfe erreicht.

Ihnen ist die Makrofotografie ans Herz gewachsen, wie kam es dazu?

Das Interesse für die Makrofotografie kam mehr schleichend, da ich auf meinen Touren für die Landschaftsaufnahmen auch viele Insekten und Spinnen gesehen habe, die ich dann auch irgendwann fotografieren wollte. Das war aber mit meiner damaligen Ausrüstung (Canon 450d mit Standartzoom) nicht wirklich zufriedenstellend möglich. Also habe ich mir dann nach und nach das nötige Equipment gekauft und es bis heute immer weiter verfeinert. Für Spinnen habe ich mich aber schon immer interessiert. Ich habe früher im Garten des Elternhauses die Kreuzspinnen in den Tujahecken regelrecht herangezüchtet. Besonders toll fand ich es wenn eine Spinne richtig groß war und das Netz bereits gebebt hat, noch bevor ich sie sehen konnte.

 

Insekten.. Die meisten Menschen würden sofort verschwinden, aber Sie halten dieses interessanten Geschöpfe in ihren Bildern fest; wie kamen Sie dazu sich diesen Tieren so zu nähern?

Es liegt einfach daran das ich mich sehr für Insekten und Spinnen interessiere, in erster Linie natürlich wegen der Makrofotografie. Es ist aber schon paradox, ich könnte z.B. nie eine große Winkelspinne in der Hand halten, aber auf der anderen Seite gehe ich in den Keller um danach für Makroaufnahmen zu suchen. Aber das Interesse und der Hunger auf gute Bilder sind einfach größer als die Scheu davor, obwohl ich die bei gewissen Spinnen auch habe. Insekten dagegen gibt es eigentlich keine vor denen ich mich ekeln würde.

Wie würden Sie ihren Stil beschreiben?

Hmm, schwer zu sagen. Ich würde ihn aber schon als außergewöhnlich beschreiben. Das ist aber auch gut so, schließlich will ich unverwechselbare Makros machen die man auch nicht so schnell vergisst.

Bearbeiten Sie vieles an Ihren Bildern?

Es kommt ganz aufs Bild drauf an, ich habe an meine Bilder aber auch nicht den Anspruch das sie als echte Naturdokumente durchgehen sollen. Dazu dürfte man dann ja schließlich nicht mal irgendwelche störenden Bildelemente wegstempeln. Mir ist es aber wichtig das ich meine Bilder in freier Natur und mit lebenden Insekten und Spinnen aufnehme. Für Makroaufnahmen denke ich aber schon das ich viel an meinen Bildern bearbeite, im Extremfall besteht das fertige Bild aus mehreren Fokusebenen, mit ausgetauschtem Hintergrund und etwa 3 angewendeten Nik Color Effex Filtern.

Haben Sie ein Neues Projekt, ein neues Insekt, in Planung, von welchem Sie uns etwas verraten könnten?

Obwohl die Makrosaison eigentlich zu Ende ist, gibt es tatsächlich ein Motiv das ich gerne dieses Jahr noch aufnehmen möchte. Ich habe kürzlich mal wieder mein Spinnenbestimmungsbuch durchgeblättert und habe dabei eine der kuriosesten Spinnen überhaupt gefunden. Die Art heißt Walckenaeria acuminata und sieht auf den ersten Blick gar nicht so spektakulär aus. Die Männchen dieser Art haben ihre Augen aber an einem Stiel der vorne am Kopf rausragt. Zum Glück ist diese Art eher im Winter aktiv, so habe ich für dieses Jahr doch noch ein Makroziel.

Zum Abschluss – Was würden Sie allen angehenden Fotografen für die Zukunft mitgeben?

Ich bin ja nun in einem sehr speziellen Bereich der Fotografie tätig, der Wildlife- Extremmakrofotografie, aber ich denke ein guter allgemeiner Tipp ist: Lasst Euch nicht unterkriegen und macht das was Euch am meisten Spaß macht, nur dann könnt ihr wirklich gut werden. Ihr müsst mit Euren Bildern auch nicht unbedingt den Geschmack der breiten Masse treffen, viel wichtiger ist es das ihr euch abhebt und gewisse Alleinstellungsmerkmale habt, sonst ist man nur einer von vielen und macht vielleicht schöne Bilder, die man aber auch schnell wieder vergisst.