Hallo Anne, zu Anfang wäre es schön erst einmal etwas über dich und deine Fotografie zu erfahren.

Also, fangen wir mit den banalen Sachen an: Ich komme aus einem kleinen Ort in der Nähe von Berlin und studiere im 3. Semester Fotodesign an der Hochschule München. Fotografiert habe ich eigentlich schon immer gern, aber nie mit dem Hintergedanken das eines Tages Hauptberuflich zu machen. Nach meiner Ausbildung zur Steuerfachangestellten habe ich viel überlegt was ich machen möchte. Für mich war eines klar, für Berufe dieser Art bin ich nicht geschaffen. Es sollte vor allem ein Beruf sein, bei dem ich kreativ sein kann. Im Sommer 2009 zog ich dann nach München. Ich weiß erst heute zu schätzen wie wichtig dieser Schritt für mich war. Eine fremde Stadt, ohne Freunde und Familie, kann am Anfang sehr schwer sein. Diese Erfahrung war aber in meiner persönlichen Weiterentwicklung sehr wichtig. Ein paar Monate später hielt ich meine erste Spiegelreflexkamera in der Hand, seitdem kann ich nicht mehr aufhören, zu fotografieren. Dies war die Zeit wo ich begann, mehr in der Fotografie zu sehen als nur auf den Auslöser zu drücken. Das hat mein Leben von Grund auf verändert.

Was ist das Spannende oder Wichtigste was du durch die Fotografie gelernt hast?

Auf fremde Menschen zuzugehen war für mich eines der wichtigsten Dinge, die ich gelernt habe. Ich bin sehr schüchtern, von dem her war und ist es, teilweise immer noch, einer der größten Herausforderungen für mich. Das spannendste an der Fotografie sind die Einblicke in verschiedene Lebensweisen, der Menschen die ich Portraitiere. Die Sicht Dinge anders wahrzunehmen, sei es ein Lichtstrahl, der durchs Fenster fällt oder Haare die einem ins Gesicht fallen. Dinge, die ich früher nicht beachtet habe, nehme ich jetzt mit viel mehr Aufmerksamkeit wahr. Des Weiteren habe ich sehr viele interessante Menschen kennen gelernt, die ich so wahrscheinlich nie getroffen hätte. Zum Beispiel war ich dieses Jahr auf einem Fotografen-Treffen im Harz. Diese Tage, abgeschieden von der Außenwelt, umgeben von Menschen, welche die gleiche Leidenschaft teilen, zählen zu meinen schönsten Erlebnissen.

Mir fällt dein besonderer Blick fürs Licht und deine Liebe zum Bokeh auf – magst du uns dazu was erzählen?

Sagen wir es mal so, ich bin kein Techniknarr und werde es auch nie sein. Viele Sachen passieren bei mir aus dem Bauch heraus. Mich hat von Anfang an das natürliche Licht fasziniert. Gerade das Spiel von Licht und Schatten macht, für mich, ein Foto besonders interessant und viel ausdrucksstärker. Genauso interessant find ich den zarten Verlauf eines Bildes, wenn man mit offener Blende fotografiert.

Wie bereitest du dich auf ein Fotoshooting vor?

Ich bespreche im Vorfeld einige Details, mit der Person die ich Portraitieren möchte. Ich versuche, nicht Zuviel zu planen bzw. mich nicht zu sehr auf ein Konzept festzulegen. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass am Ende eh alles anders abläuft. Dies hat mich gelernt, den Zufall zu lieben.

Hast du ein neues Projekt in Planung – von der du uns vielleicht etwas erzählen möchtest?

Momentan bleibt mir neben dem Studium wenig Zeit für eigene Projekte. Ich habe diesen Sommer mit der analogen Fotografie angefangen und arbeite gerade, für ein Semesterprojekt, mit der Großbildkamera. Ich habe mir vorgenommen, mehr in diese Richtung auszuprobieren.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Das ist eine gute Frage. Mir ist es wichtig natürliche Momente einzufangen. Die Person so festzuhalten wie sie wirklich ist. Bilder zu machen mit denen man sich identifizieren kann. Ich denke, dass das eigene „Ich“ oftmals eine große Rolle spielt. Meine Bilder sind ruhig und natürlich. Eigenschaften die auch auf mich zutreffen. Für mich ist die Fotografie das einzige Mittel Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die ich sonst nicht zum Ausdruck bringen könnte.

Du hattest deine erste Ausstellung erst Letztens, was für eine Erfahrung hast du damit gehabt?

Das Gefühl seine Bilder ausgestellt zu sehen ist unbeschreiblich und auch die Möglichkeit sich mit den Besuchern darüber zu unterhalten, war eine sehr schöne Erfahrung.

Durch wen oder wie kommen dir die Ideen für dein nächstes Shooting?

Es kann ein ein Ort sein, den ich durch Zufall entdecke, ein Songtext, eine einzelne Person, ein Foto oder eine persönliche Erfahrung. Es reicht ein winziger Moment aus um darauf mehr aufzubauen.

Zum Abschluss – Was würdest du allen angehenden Fotografen für die Zukunft mitgeben?

Auch wenn das abgedroschen klingt, viel üben und vor allem: Fehler machen. Die Wohlfühlzone verlassen und neue Sachen ausprobieren. Das hat mir sehr geholfen mich weiterzuentwickeln.