Interview mit „Calvin Hollywood“

Wie bist du zu deinem Künstlernamen Calvin Hollywood gekommen?

Calvin Hollywood ist mein eingetragener Künstlername, der auch auf meinem Ausweis steht. Der Grundgedanke war, dass meine Rekruten bei der Bundeswehr – vor der Fotografie war ich Ausbilder beim Bund – bei Google unter meinem richtigen Namen nicht meine Arbeiten finden. Als ich angefangen habe zu fotografieren, habe ich sehr viele phantasievolle Bilder erstellt und mir dafür mit Modellen aus der fetisch Szene mit spektakulären Kostümen und Waffen zusammengearbeitet. Und diese Bilder, vorallem die mit Waffen, sollten meine Rekruten nicht finden. Ich wollte einfach die Fotografie und meinen Beruf trennen. Der Name Calvin ist aus meinem Englischunterricht hängen geblieben. Und Hollywood, wie ich darauf gekommen bin, weiß ich gar nicht mehr so genau. Vielleicht hatte ich den Traum vom Tellerwäscher zum Millionär. Ich wusste damals ja noch nicht, dass das mit der Fotografie was wird. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir vielleicht einen anderen Namen gegeben. Aber rückblickend war es irgendwie ganz cool, dass ich auf Hollywood gekommen bin. Es spricht sich besser rum, auch wenn der Name im ersten Moment total bescheuert und überheblich klingt.

 

Wie würdest du dich jemandem vorstellen, der dich noch nicht kennt?

Bei Menschen, die nicht aus der Branche kommen, sage ich immer, ich bin Fotograf. Ich fotografiere Menschen. Damit können die Leute am meisten anfangen. Ich fotografiere Menschen, die ein Bild von sich brauchen. Viele Künstler, aber auch Businessmenschen.

Wenn jemand aus der Kreativbranche kommt, dann sage ich schon, dass ich Fotograf und Trainer bin. Dann erkläre ich, dass ich auch sehr viel im Bereich Marketing und Social Media vermittle und mein Wissen weitergebe. Und nebenbei auch noch Auftragsarbeiten erstelle.

 

Wie bist du zur Fotografie/Bildbearbeitung gekommen?

Ich hab zwei Bilder gemacht, die ich dann bei einem Drogerie Markt ausdrucken lies und ich wollte beide Bilder zusammenfügen. Auf dem Einen war ich drauf und auf dem Anderen jemand anderes und wir sollten zusammen auf ein Bild. Ich bin dann zu einem Kumpel hingegangen, von dem ich wusste, der macht sowas mit Bildretusche. Den hab ich dann gefragt, ob er das machen kann. Er hat es dann ganz kurz in der Mittagspause gemacht. Daraufhin hab ich ihn dann gefragt, wie er dass so schnell hinbekommen habe und was er benutzt hat. Er meinte drauf nur Photoshop. Dann habe ich mir die Testversion besorgt. Also diese eine bestimmte, die etwas länger geht 😉 Die hatte ich dann und habe damit viel rumgespielt. Ich hab dann relativ schnell gemerkt, dass das meine Leidenschaft ist. Und hab mir eine kleine Digi-Cam geholt, um ein bisschen Motive zuschießen, die ich dann bearbeiten konnte. Das ganze begann also über die Retusche.

 

Hattest du ein Bild oder Erlebnis, was dir wirklich den Mut gegeben hat zu sagen, das ist das, was ich machen will?

Nö. Ich hab einfach gemerkt, wenn ich Abends vom Militär nach Hause gekommen bin, wie viel Freude mir die Retusche und Fotografie gemacht hat. Ich konnte es gar nicht abwarten, ich war richtig süchtig. Ich wurde nicht müde, es hat einfach immer Spaß gemacht. Und da ich mir schon immer Ziele gesetzt habe, ich noch 8 Jahre beim Militär war, hab ich mir gesagt, wenn dass so viel Spaß macht, dann streb das doch an. Ich hab mir dann das Ziel gesetzt, es nach den 8 Jahren hauptberuflich zu machen. Aber es war jetzt kein besonderes Bild oder Erlebnis. Ich hab einfach zur Kenntnis genommen, wie viel Spaß es mir gemacht hat, wie sehr ich mich auf Zuhause und die Retusche gefreut hab, obwohl ich schon einen ganzen Arbeitstag hinter mir hatte.

 

Was motiviert dich jedes Mal aufs neue wieder zur Kamera zu greifen?

Mir geht es eigentlich gar nicht so sehr um die Kamera oder die Retusche an sich. Klar, dass macht auch Spaß, aber mir geht es viel mehr darum, Resultate zu erzielen. Ich bin sehr zielstrebig und Ziele motivieren. Ich setzte mir Ziele, was ich erreichen will. Und die erreiche ich durch die Fotografie oder die Retusche. Inzwischen habe ich auch ein sehr gutes Team, wir sind zu sechst, und, es soll nicht arrogant klingen, aber ich hab den Luxus, dass zu tun, wo ich Bock drauf hab. Und das ist natürlich eine sehr große Motivation. Aber meist kommt es doch durch die Ziele. Ich nehme mir etwas vor, möchte es erreichen und das ist für mich extrem motivierend. Ziele motivieren mich am meisten. Und natürlich der Spaß im Umgang mit Menschen, neue Menschen kennenlernen, die Herausforderungen. Das sind so meine Motivationen.

 

Was macht für dich ein gutes Bild aus?

Normalerweise müsste ja jetzt kommen, was jeder antwortet: Gestaltung. Ein Bild muss den Betrachter fesseln. Das stimmt schon alles, aber für mich macht ein gutes Bild aus, dass es einen Nutzen hat, dass es einen Zweck erfüllt. Der Hobbyfotograf, der einfach in seiner Freizeit rumknippst, der braucht keine perfekte Bildgestaltung oder Story im Bild. Wenn er das Bild knipst und es gefällt ihm, weil er darin irgendwas sieht, dann ist es ein gutes Bild für ihn. Wenn man aber Auftragsarbeiten macht, dann muss dieses Bild einen Nutzen haben. Das heißt, wenn ich jetzt auf einer Hochzeit ein Bild erstelle und es ist von den Gestaltungsregeln der Fotografie her nicht perfekt, es ist nichtmal perfekt scharf, aber es steckt Leben drin und es gefällt dem Brautpaar, dann ist es scheiß egal, was 3000 Leute auf Facebook schreiben, weil das Bild ist gut. Das ist meine Definition von einem guten Bild. Ich meine die Grundlagen gehören natürlich ganz klar dazu, dass würde ich nicht vernachlässigen, aber im Endeffekt geht es um die Zielgruppe und um den Nutzen des Bildes. Ob das jetzt Freude ist oder technische Perfektion, ob es eine Erinnerung ist, einen Moment den man festhält, dass ist egal. Aber das macht für mich ein gutes Bild aus.

 

Wie kommst du an deine Inspiration? Beim duschen?

Was die Fotografie angeht bin ich leider total unkreativ geworden. In meiner Anfangszeit war ich wirklich sehr kreativ. Ich hatte einen haufen Ideen, hab viele Storybilder umgesetzt, wo einfach eine Gesichte drin war. Das ist aber in der letzten Zeit alles verloren gegangen. Ich denke, es liegt vor allem daran, dass ich immer mehr zum Unternehmer geworden bin. Ich muss mich ums Business kümmern und da ist sehr viel Kreativität auf der Strecke geblieben.

Ich hab extrem gute Ideen im Businessbereich, da sprudelt es, dass ist der Wahnsinn und das ist, wie du sagtest bei mir tatsächlich unter der Dusche, aber im fotografischen Bereich muss ich mir die Inspiration suchen. Ich suche dann im Internet bei Pinterest, Deviantart, schaue Filme und mache im Prinzip nach. Ich erfinde also nichts neues, sonder hole mir eine Idee und mache grade bei freien Arbeiten gerne nach. Ich bin leider nicht der Mensch, der ein Ideenbuch hat und ständig das Rad neu erfinden kann, da gibts andere die sind mit Sicherheit besser.

 

Hast du ein Herzensprojekt, das du bald angehen möchtest?

Ein einziges Projekt nicht. Es gibt zur Zeit sehr viele Projekte. Aktuell habe ich ein sehr großes Event, wo auch viele junge Leute dabei sind, wo ich ein paar Tipps gebe, wie man seine Ziele erreicht. Das ist schon ein Projekt, was ich länger schon machen wollte. Ansonsten biete ich Fotoreisen an, die mir zur Zeit sehr viel bedeuten. Da machen wir in anderen Ländern Fotoworkshops. Ansonsten habe ich immer wieder mal kleinere Projekte, die ich umsetze.

 

Wenn du dir Künstler für eine Zusammenarbeit aussuchen dürftest, welche wären es und wieso genau diese?

Da hab ich jetzt keine Namen, wo ich sage, mit ihm oder ihr will ich umbedingt mal zusammenarbeiten. Was ich aber mache sind regelmäßige Zusammenarbeiten mit anderen Künstlern. Ich habe zur Zeit ein Projekt mit wayofart.ch der steuert zu einem neuen Bild den Hintergrund bei. Dann haben mich über Behance einige Künstler angeschrieben, die zur Zeit Retuschen für mich machen. Sowas mache ich ständig, aber ich habe keinen Künstler auf der Liste, wo ich sage, mit dem wollte ich schon immer mal was machen. Mir kann man schreiben und ich bin da immer offen für Kooperationen.

 

Wenn irgendwer auf der Welt ein Foto von dir machen dürfte, wer wäre das?

Das habe ich schon oft überlegt. Von mir gibt es ja nicht so viel Bilder und ich bin wirklich nicht so das Model. Aber es gibt tatsächlich einen, wo ich sagen würde, vor dessen Kamera würde ich mal gerne treten. Das ist mein guter Freund Ondro. Ondro ist ein Hochzeits- bzw. Werbefotograf. Leider ist Ondro eine Socke, jemand der schläft. Bis jetzt hat es noch nicht geklappt. Im Allgemeinen aber musste es schon ein sehr erfahrener Fotograf sein. Ich bin einfach nicht gerne vor der Kamera.

 

Bist du kritikfähig?

Also im Gegensatz zu vielen, die sagen ich wäre nicht kritikfähig, halte ich mich für extrem kritikfähig. Das liegt aber nur daran, dass viele eine andere Sichtweise haben. Ich weiß natürlich genau was ich will, ich kenne die fotografischen Regeln und breche sie manchmal. Da gibt es ein schönes Zitat von Picasso: „Lern die Regeln wie ein Profi, breche sie wie ein Künstler“. So wie ich ein Bild gemacht habe, so wollte ich es auch machen, ich bin ja kein Anfänger mehr. Das heißt, wenn dann jemand kommt und sagt: „ja die Fluchtlinien hätten aber…“ oder „die Gestaltung hätte er anders gemacht“, dann antworte ich meistens mit: „Okay, dann mach du es anders“. Wenn ich das Bild nämlich so gemacht hätte, wie der Kritiker, dann wäre es ja quasi sein Bild gewesen und nicht mehr meins. Dann sagen aber leider viele ich wäre nicht kritikfähig. Ich höre mir jede Kritik an und denke darüber nach und das macht mich in meinen Augen kritikfähig. Und wenn ich das nicht wäre, dann wäre ich heute niemals dort, wo ich jetzt bin. Ich lerne den ganzen Tag von anderen. Ziehe mir Weiterbildungen rein, schicke meine Arbeiten an andere und lasse sie beurteilen.

90% der Kritik, die die Community auf öffentlichen Plattformen gibt, höre ich zwar an, aber ich setze sie nicht um, weil ich es eben genauso nicht machen wollte. Und deswegen sehen mich leider viele als nicht kritikfähig. Ich selbst würde mich als extrem kritikfähig bezeichnen, aber ich hole sie mir halt gezielt von Menschen, die genau wissen, wie ich ticke, wo ich hinwill und wer meine Zielgruppe ist. Es bringt ja nichts, wenn ein Koch, der in seiner Freizeit Fussball spielt, einen anderen Fussballer beurteilt und verbessert. Es muss schon jemand sein, der in der gleichen Branche und im gleichen Metier arbeitet. Ein Landschaftsfotograf der Peopleaufnahmen kritisiert beißt sich ein bisschen. Aber ich bin niemandem böse, der meine Bilder kritisiert, viele meinen es ja gut. Jemand der hatet und einfach nur schlecht redet hingegen bekommt von mir die volle Bandbreite zurück.

 

Was für Ratschläge würdest du anderen angehenden Fotografen/Künstlern geben?

Ich zitiere bei der frage immer gerne Bryan Tracy: „Wenn du erfolgreich sein willst, dann musst du einfach nur genau das tun, was die Leute machen, wo du noch hinwillst.“ Wenn jetzt jemand sowas machen will wie ich, dann muss er im Prinzip nur das gleiche machen, was ich mache. Das heißt, wenn der sieht, dass ich 16 Stunden am Tag arbeite, dann muss er mindestens auch 16 Stunden am Tag arbeiten oder noch mehr. Wenn er sieht, dass ich sehr oft auf Facebook poste, dann muss er auch sehr oft auf Facebook posten. Dafür sind ja solche Menschen da, die in der Öffentlichkeit sind. Du kannst dir im Prinzip alles abschauen. Aber wenn ich es jetzt auf zwei, drei Tipps herunter brechen müsste, dann würde ich sagen, das erste ist, dass du immer lernst. Immer lernen, lernen, lernen. Am besten von denen, die dort sind wo du noch hinwillst. Man muss immer lernen. Ich bilde mich jeden Tag zwei Stunden weiter. Das zweite ist, du musst fleißig sein. 40 Stunden in der Woche sind zum überleben, jede Stunde länger, die du machst, ist für deine Zukunft. Wenn dich andere nicht als Arbeitstier kennen, dann arbeitest du nicht hart genug. Viele sagen immer, ich arbeite schon hart genug, aber Disco muss auch mal sein. Gut, dann geh in die Disco, wenn du meinst, dass es sein muss, aber dann beschwer dich nicht. Und der dritte Punkt sind Ausreden. In dem Moment, wo du sagst, dass geht nicht, weil, gibst du Macht ab. Du gibst die Schuld ab. Und dann kannst du es nicht mehr kontrollieren. Also vermeide Ausreden. Ich sage immer, du findest mit Sicherheit einen Weg und wenn du keinen Weg findest, findest du eine Ausrede. Das sind so die paar Punkte, die mir spontan einfallen.

 

Was ist dein aktuelles Lieblingsbild von dir und warum genau dieses?

 

Es ist mein Lieblingsbild, weil es ECHT ist. Und es handelt sich um meine beiden Kinder Samira mit ihrem Zwillingsbruder Tion-Lee.

 

 

© Calvin Hollywood

© Calvin Hollywood

 

 

 

Kontakt zu Calvin Hollywood

2017-11-26T13:11:59+00:00

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