Für den Anfang erzähl mir bitte etwas über dich und sag mir wie du zur Fotografie gekommen bist.

Ich heisse Jurek Gralak, bin 32 Jahre alt und lebe in der Nähe von Zürich. Zur Fotografie bin ich vor ca. 2 Jahren über einen kleinen Umweg gekommen. Vor einiger Zeit hab ich mir ein Grafik Tablet zugelegt um mein damaliges Hobby, das Airbrushen, abzulösen. Angefangen mit der Software Corel Painter, habe ich zuerst mit dem digitalen Malen begonnen. Bald darauf habe ich dann die Fotomanipulation für mich entdeckt und bin so automatisch immer mehr auf Photoshop gewechselt und habe begonnen eine tiefe Sympathie zu dieser Software zu entwickeln. Das Arbeiten mit Stockbildern hat mir aber schon bald nicht mehr gereicht. Ich wollte meine eigenen Ideen umsetzen können und mich nicht immer auf Kompromisse einlassen müssen. So habe ich einen Studiofotografie Workshop gebucht, obwohl ich davon keinen Plan hatte. Ich wusste gerade mal, dass es eine Blende und Belichtungszeit gibt und die irgendwie zusammenhängen. Also hab ich meine Canon 450D geschnappt, die bis anhin nur den Automatik Modus kannte und habe mich ins kalte Wasser gestürzt. Das war im Januar 2013. Naja ist viel gelaufen in den 2.5 Jahren…

Was gefällt dir am Besten an deiner Arbeit und was motiviert dich?

Ich liebe es eine Idee von der Inspiration bis hin zum fertigen Bild entstehen zu lassen. Ich glaube das ist auch der Prozess, der mich immer wieder aufs Neue motiviert. Es gibt wirklich Momente, da trifft mich die Muse mit solch einer Wucht, dass ich am liebsten alles andere fallen lassen möchte und sofort mit der Arbeit beginnen will. Es gibt einfach so viele absolut geniale Künstler, die mich täglich aufs neue inspirieren, so viele Situationen und Stimmungen, die es einzufangen gilt. Und wenn schlussendlich das fertige Bild entstanden ist und dieses auch noch bei der Communitiy Anklang findet, motiviert das gleich doppelt wieder ein neues Projekt zu starten.

Bei dir gibt es verschiedene Kategorien zur Auswahl: Potrait, Fashion, Fantasy oder My own Style.. Welche ist deine absolute Lieblingskategorie?

Da muss man differenzieren, ob es sich um ein Kundenshooting handelt, oder ob das ein freies Projekt von mir ist. Bei Kundenshootings stehen natürlich die Wünsche des Kunden an erster Stelle. Hier macht mir vor allem der Umgang mit dem Kunden oder der Kundin Spaß, unabhängig vom Thema. Bei meinen freien Arbeiten liebe ich das Composen, also das zusammensetzen verschiedener Ausgangsbilder zu einer neuen Szene in Photoshop. Hier sind der Fantasie fast keine Grenzen gesetzt und man kann Welten erschaffen, die nichts mit der Realität zu tun haben.

Gibt es eine Idee eines Models (von My own Style) die dich total fasziniert hat?

Ich finde es immer toll, wenn Leute mit ihren eigenen Ideen zu mir kommen. Je verrückter desto besser!Sehr cool fand ich die Idee einer Kundin, die sich als Königin Ravenna aus „Snowwhite and the Huntsman“ ablichten lassen wollte. Ich stehe total auf außergewöhnliche Kostüme und Outfits, und liebe das Thema der „dark-fantasy“. Leider gibt es viel zu wenige Leute, die sich das getrauen, oder die sich das überhaupt vorstellen können.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Dramatisch, kontrastreich, dunkel mit einem Touch Horror, episch, cinematisch… das wären ein paar Schlagworte, wie ich meine Bilder beschreiben würde. Gerne sage ich auch einfach „dark-fantasy“ zu meinem Stil, da meine Bilder doch meist eher dunkel sind und sich oft in Film, Comic oder Märchenwelten bewegen.

Was ist für dich das perfekte Bild?

Das ist immer schwierig zu sagen. Aber ich denke das wichtigste für mich ist, dass das Bild eine Geschichte erzählt, eine Emotion oder Stimmung in mir auslöst, oder mich zum Nachdenken bringt. Ich bin kein Fan von, ich nenne die immer „Schönmädchenbilder“, obwohl die sicher auch schön anzusehen sind. Nur vergesse ich die so schnell wieder, wie sie aufgetaucht sind. Es gibt wenige Künstler, oder Fotografen, die es schaffen mich mit solchen Bildern wirklich zu fesslen. Das ist aber durchaus möglich. Für mich die die Serie „Selfshots“ von Wojtek Pruchnicki der perfekte Beweis dafür. Er schafft es schöne Mädchen so clever in Szene zu setzen, dass die Bilder an Story, Stimmung und Emotionen nur so strotzen. Natürlich mag ich auch technisch gut umgesetzte Bilder sehr, nur mag eine technisch gute Umsetzung keine Emotionen ersetzten. Umgekehrt aber schon.

Dein „Rumpelstilzchen“ fasziniert mich total! – Wie lange hat alles gedauert? Von der Ideenfindung, Umsetzung und Nachbearbeitung?

Danke, das freut mich! Also das Projekt war wirklich eine Herausforderung, da ich wirklich alles selbst gemacht und organisiert habe. Ich habe das Kostüm selbst geschneidert, den Kopfschmuck selbst gebaut, die Requisiten organisiert wofür ich in der halben Schweiz herumgefahren bin. Das weibliche Model ist aus Tschechien angereist für das Shooting. Ok nicht extra für das Shooting, aber dadurch wurde das Zeitfenster nicht grösser. Ich denke alles in allem habe ich da sicher 20 Stunden in die Organisation, das Shooting und die Nachbearbeitung investiert. Das war das erste Mal wo ich mir sehnlichst einen Assistenten gewünscht habe ;)…

Welchen Fotografen oder Künstler würdest du gerne kennen lernen?

Uff da gibt es so einige. Ich würde zum Beispiel gerne einmal dem Fotografen Erik Almas über die Schultern schauen. Oder einen Kurs im figürlichen Zeichnen beim Illustratoren Luis Royo absolvieren. Einige tolle Künstler hab ich aber auch schon getroffen und bin bin mittlerweile auch gut mit Ihnen befreundet. Ich finde das auch sehr wichtig, dass man sich regelmäßig mit anderen Artisten austauschen kann. So bekommt man tolle Einsichten in verschiedene Techniken und Herangehensweisen, welche man vielleicht auch für seine eigenen Arbeiten teilweise abkupfern kann.

Würdest du uns vielleicht noch dein derzeitiges Lieblingsbild zeigen und ein paar kurze Worte dazu sagen?

Mein derzeitiges Lieblingsbild befindet sich momentan noch in meinem Kopf und reift langsam aber sicher vor sich hin. Ich liebe es, wenn ich Ideen in meinen Gedanken bis ins Detail ausarbeiten kann, soweit, dass ich schon genau weiss, was für ein Stoff ich für das Outfit einkaufen muss. Zu viel verraten kann und will ich noch nicht, aber ihr könnt euch darauf freuen!

Zum Abschluss – Was würdest du allen angehenden Fotografen für die Zukunft empfehlen?

Schult euer Auge! Lernt auch im Alltag Dinge zu sehen, euch von alltäglichen Situationen inspirieren zu lassen und nicht zu weit nach dem perfekten Motiv zu suchen. Lernt eure Kamera richtig zu nutzen, auch wenn es keine 3000 Euro Kamera ist. Kauft nicht zu viel Technik, die ihr denkt zu brauchen. Denn ihr braucht sie nicht. Wenn man lernt mit einfachen Dingen zu arbeiten, und sein Auge darauf trainiert die schönen und interessanten Dinge bewusst zu sehen, habt ihr es viel leichter ein tolles Bild zu machen und könnt euer Equipment Stück für Stück mit Dingen ausstatten, die ihr auch wirklich braucht, ohne von Anfang an viel Geld dafür auszugeben!