Erzähl mir bitte etwas über dich und sag mir wie du zur Fotografie gekommen bist

Hallo, mein Name ist Michael Färber, ich bin vor kurzem 25 geworden. Hauptberuflich arbeite ich im Marketing eines jungen Münchner Start Ups, meine restliche Freizeit widme komplett meinen Hobbies Fotografie und Musik. Meine Eltern haben mich sehr kulturell und künstlerisch erzogen, als Kind waren Opern- und Museumsbesuche quasi an der Tagesordnung =) Fotografiert habe ich schon immer viel und gerne. Verstärkt hat sich dies, als mein bester Freund Sebastian Hübner angefangen hat hauptberuflich als Fotograf zu arbeiten. Ich war dann von Anfang an immer viel mit ihm unterwegs, sei es Studioaufträge oder Outdoor Shootings. Oft sind wir dann auch spontan einfach so durch die Gegend „geirrt“ und haben alles fotografiert was uns inspiriert hat. Von ihm habe ich dann auch quasi, nachdem ich lange Zeit eine uralt Canon Kamera benutzt habe, zuerst meine Nikon D5100 und jetzt meine D600 „geerbt“. Ich habe ihm hier natürlich viel zu verdanken, vor allem habe ich unglaublich viel von so einem tollen Fotografen gelernt.

Was gefällt dir am Besten daran und was motiviert dich?

An der Fotografie gefällt mir vor allem die Freiheit, Welten zu erschaffen und Stimmungen festzuhalten. Letzten Endes gibt es hier keine Limits. Auch finde ich es interessant, dass man auf sozialer Ebene viel lernt. Die Menschen mit denen man fotografieren geht sind alle unterschiedlich und machen es immer wieder spannend, hier einen Einstieg und eine gemeinsame Ebene zu finden. Denn die besten Fotografien entstehen immer noch wenn man sich sympathisch ist und eine Verbindung zueinander findet. Außerdem gibt es nichts schlimmeres als 5 Stunden an einem Auftrag durch die Gegend zu stapfen wenn man sich nichts zu sagen hat 😉

Wie läuft der Prozess bis zum fertigen Bild bei dir ab? Machst du dir vor jedem Shooting einen Plan oder bist du eher spontan?

Da ich größtenteils in der Natur shoote ist ein Plan zwar sinnvoll, aber oftmals hinfällig. Meistens fahren wir vorher durch die Gegend, schauen im Internet oder fragen rum bezüglich geeigneter Locations. Dann geschieht das alles relativ spontan, ich denke auch nur wenn man spontan ist kann man sich dann auf widrige Gegebenheiten wie schlechtes Wetter beispielsweise einstellen. Die ersten Schüsse beim Shooting sind dann meistens Probeschüsse um Kameraeinstellungen zu perfektionieren und auch Zeit zu haben sich mit dem jeweiligen Model zu unterhalten und ein bisschen das Eis zu brechen. Viele meiner Lieblingsfotografien sind dann aber auch sehr spontan entstanden und aus Gesprächen oder Schüssen die ursprüngliche als Test gedacht waren. Nach den Shootings geht es dann meistens entweder zu mir oder meinem besten Freund, dort werden die Bilder gesichtet, Favoriten ausgewählt, in Raw bearbeitet. Danach, je nachdem wie es die Müdigkeit zulässt auch noch weiter in Photoshop und mit diversen Plug Ins veredelt und schließlich online gestellt.

Wie würdest du das perfekte Bild beschreiben?

Das ist eine sehr gute Frage. Letzten Endes eigentlich auch nicht zu beantworten, da ich jedes mal wieder versuche das nächste perfekte Foto zu schießen. Ich denke, wenn man irgendwann sein perfektes Foto geschossen hat wars das dann 😉 Ich denke man wird nur besser, wenn man immer wieder versucht sich selbst zu übertreffen. Wenn ich mir ältere Fotos ansehe, bin ich stolz in welche Richtungen ich mich verbessert habe. Alles in allem gehe ich in jedes Shooting mit dem Anspruch das nächste perfekte Bild zu machen. Perfekt ist das Zusammenspiel aus Licht, Einstellungen der Kamera, Model und letzten Endes vor allem der Stimmung die das Foto für mich ausmachen. Es gibt viele sehr schöne Menschen, aber noch schöner finde ich interessante Persönlichkeiten. Erst diese machen ein schönes Foto „perfekt“

Gibt es eine Fotografie die dich kürzlich inspiriert hat und willst du es uns zeigen?

Zusammen mit 2 befreundeten Fotografen habe ich die Seite Photographica auf Facebook ins Leben gerufen. Dort bieten wir eine nicht kommerzielle Plattform um Fotografen und Ihre Werke zu präsentieren. Ich bin immer wieder überrascht und begeistert, welch tolle Fotografen wir in Deutschland und weltweit haben. Es ist ein Traum so vielen tollen Menschen, mit all ihren verschiedenen Fotografien zuzusehen. Daher bin ich hier in letzter Zeit vielen Fotografen begegnet und es ist sehr schwer hier eine Fotografie auszuwählen. Wenn ich mich entscheiden müsste würde ich ein Bild von „Sturmideenkind – Photography“ auswählen. Dies wäre für mich ein perfektes Foto!

 

 

© Michael Färber

© Michael Färber

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Mein Stil verändert sich immer wieder, früher stand ich auf diesen sehr bearbeiteten Look und perfekte Retusche, auch bedingt dadurch dass ich öfter im Studio zum fotografieren war. Mittlerweile liebe ich eine reduzierten analogen Charakter. Auch daher fotografiere ich zur Zeit ziemlich viel mit Analogkameras, klar bekommt man dann nicht die Hochglanz Motive in perfekter Qualität. Aber wenn die Stimmung stimmt, finde ich trägt dieses unperfekte zur Authenzität bei.

Was sind drei einzigartige Dinge, die dich und deine Werke von den anderen abheben?

Ich bin absolut nicht der Typ der sich selbst in den Himmel loben will. Daher ist es schwierig für mich, diese Frage zu beantworten. Ich freue mich aber über jeden, der meine Bilder sieht und sagt, ja diese Sachen macht er besser bzw. gefällt mir bei ihm besonders gut. Das was mich denke ich ausmacht ist meine humorvolle Art, auf Menschen zuzugehen und die die oftmals angespannte Stimmung bei Shootings mit Models mit wenig bis keiner Erfahrung auflockert.

Welchen Fotografen oder Künstler würdest du gerne kennen lernen?

Jeden =) Durch meine Suche für Photographica habe ich so viele tolle Fotografen gesehen und kennengelernt. Auch finde ich es schön, immer wieder neue kennenzulernen, sich zu treffen und andere Arbeitsweisen zu sehen. Jeder hat etwas eigenes und besonderes an sich, daher ist es fast unmöglich, einzelne Fotografen herauszupicken. Einer der nettesten Kerle die ich in dem Zuge kennengelernt habe war per florian appelgren von pfa Photography. Er liefert tolle Arbeiten und ist dabei super sympathisch und hilfsbereit. Weltweit einer der Fotografen, die ich bewundere ist Joel Grimes, der auch seinen ganz eigenen Stil hat, der meinem zwar unähnlich ist, aber gerade deshalb für mich so interessant zu sehen. Eine weitere Künstlerin ist Ines Rehberger, deren Arbeiten eine wahnsinnige in den Bahn ziehende Aura haben.

Würdest du uns vielleicht noch dein derzeitiges Lieblingsbild zeigen und ein paar kurze Worte dazu sagen?

Mein derzeitiges Lieblingsbild hat nun auch schon ein paar Wochen auf dem Buckel =) Es ist entstanden beim Wandern mit einer meiner besten Freundinnen Mella. Wir waren im bayrischen Gebirge rund um den Herzogstand. Aufgenommen habe ich es in der Gondelbahn. Da das Wetter wie auf dem Foto sichtbar nicht so prickelnd war, wurden wir von dem Mitarbeiter im Tal quasi „gezwungen“ die Bahn zu nehmen und nicht mit unseren Sommersneakern den Berg und die Matschwege hochzuklettern. Was uns anfangs ziemlich geärgert hat hat uns dann spontan zu diesem Foto geführt. Es war neblig und verregnet, alle waren müde und eigentlich waren die Kameras mehr zum Spaß dabei als mit der Absicht, oben am Gipfel ein Shooting zu veranstalten. Ich liebe die Athmosphäre des Fotos, diese Traurigkeit und Anonymität, bei der man aber gleichzeitig das Gefühl hat, man möchte dem Model auf dem Bild den Arm um die Schulter legen und gemeinsam die Tristesse und den Ausblick aus der Gondel wagen.

 

 

 

© Michael Färber

© Michael Färber

Zum Abschluss – Was würdest du allen angehenden Fotografen für die Zukunft empfehlen?

Viel fotografieren. Fotografie ist keine Zauberei und man kann sich sehr verbessern, selbst wenn man nur wenig Geld und kleines Equipment hat. Das ist das tolle daran, dass egal mit welchen Mitteln, man tolle Sachen machen kann. Wichtig ist auch, seinen eigenen Stil zu finden, sich aber immer wieder inspirieren zu lassen von anderen, ohne dabei eine Kopie zu werden. Und offen für Ideen, Menschen und Möglichkeiten zu sein. Nichts in der Fotografie ein Fehler, alles ist der Schritt zum nächst größeren und besseren. Also, Kamera umhängen und loslegen!